29.11.2000

Pressemitteilung der Grünen

Stellungnahme zum Frauenbericht 2000

Der Frauenbericht 2000 bestätigt vieles, was seit Jahren von Frauenorganisationen, unter anderen den Grünen Frauen, gesagt wird: Frauen arbeiten mehr, verdienen aber weniger und haben die schlechteren Chancen, Karriere zu machen. Denn: für die nichtbezahlte Arbeit sind hauptsächlich sie zuständig, die Kinder bekommen sie zwar nach der Ausbildung (durchschnittlich mit 29 J.), aber noch vor dem Karrieresprung, den - während ihrer Kinderpause - stellvertretend der Kollege macht.

Die Grünen Frauen fordern deshalb eine gerechte Aufteilung sowohl der bezahlten als auch der unbezahlten Arbeit. Dies würde vielleicht auch die Unterscheidung von prestigeträchtiger und minderer Arbeit in Frage stellen. Junge Frauen haben die bessere Schulbildung, sie sind dazu prädestiniert, die Führungskräfte von morgen zu sein. Wie können Männer, die gewohnt waren das Sagen zu haben, mit den Herausforderungen der Zukunft konfliktfrei umgehen? Es bedarf - kurz gesagt - einer neuen Kultur der Anerkennung des Anderen. Der Wertschätzung für die Frauen gleich wie für die MitbürgerInnen aus anderen Kulturkreisen.

Wir haben lange auf diesen ersten umfassenden Bericht über die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in Südtirol gewartet und erwarten uns eine Weiterentwicklung dieser Forschungsarbeit auf der Grundlage kontinuierlicher geschlechterspezifischer Datenerhebung. Wir freuen uns auch, wenn der Frauenbericht 2000 zur Diskussion über die Situation der Frau in der Gesellschaft beiträgt und als Grundlage für politisches Handeln dient, wie es der Landeshauptmann im Vorwort ankündigt. Denn gerade der fehlende politische Wille und die mangelnde Wertschätzung und Repräsentanz von Frauen in der Politik (ohne Grüne Frauen wäre es noch sehr viel schlimmer) verhindern in hohem Maße die Verwirklichung der Chancengleichheit in Südtirol.

Gerda Gius
Frauen-Sprecherin der Grünen